Historischer Überblick

Ein kurzer Blick in die Geschichte von Brullsen und Hachmühlen

von Dr. Gerd Kastendieck

Vor ihrer Einbeziehung in die erweiterte Stadt Bad Münder am 1. Januar 1973 bildeten die Dörfer unserer Ortschaft, Hachmühlen und Brullsen, selbständige Gemeinden. Erst zehn Jahre vorher, am 1. Januar 1963, war die zuvor ebenfalls selbständige Gemeinde Neustadt mit Hachmühlen zusammengeschlossen worden; sie grenzte im Osten an (Alt-)Hachmühlen und war mit dem Nachbarort bereits weitgehend zusammengewachsen.

In der Vergangenheit führten die drei Dörfer durchaus ein Eigenleben, mochte auch die Zusammengehörigkeit im Kirchspiel Hachmühlen mit der altehrwürdigen St.-Martinskirche immer eine starke Klammer darstellen. Seit dem Hochmittelalter gehörte Hachmühlen zum Fürstentum Calenberg; Neustadt und Brullsen waren dagegen ein Teil der kleinen Grafschaft Spiegelberg mit der „Hauptstadt“ Coppenbrügge. Das Bestehen dieser Staatsgrenze hatte immer wieder Probleme und Streitigkeiten zur Folge, in welche auch die Einwohner häufig mit hineingezogen wurden.

In einer Urkunde von 1217 tritt das größte der drei Dörfer als „hacmole“ in das Licht der Geschichte. Die Wassermühle (heute: Dorfstraße 32), die dem Ort einstmals den Namen gab, hat bis 1973 Korn gemahlen. Der älteste Hinweis auf Brullsen entstammt einem Mindener Lehnsregister aus der Zeit kurz vor 1300; darin ist von dem Dorf „Borlevessen“ die Rede. Beide Orte hatten damals aber schon etliche Jahrhunderte bestanden; sie dürften zwischen 500 und 800 n.Chr. entstanden sein. Neustadt existierte dagegen im Hochmittelalter noch gar nicht.

Als Ort im Schnittpunkt zweier hier die Hamel überquerender Fernverkehrswege besaß Hachmühlen von jeher eine gesteigerte Bedeutung. Daher war hier bereits vor 1239 eine wassergeschützte Burg entstanden; sie lag südöstlich des Dorfes, wo heute noch die alte (inzwischen zu einem Wohnhaus umgebaute) Tegenscheune steht (Neustädter Straße 31). Diese Burg war in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zwischen den Welfenherzögen und den Grafen von Spiegelberg lange Zeit hart umkämpft. Erst im Frühjahr 1434 gelang es den Welfen und deren Verbündeten, die Burg ihrer Gegner zu erobern. Sie hatten die hier zusammenfließenden Bäche aufgestaut, so daß sich Graf Moritz IV. von Spiegelberg unter großer Gefahr in einem Backtrog über den künstlichen See ins Freie retten mußte. Im Jahr darauf wurde die Burg gründlich zerstört. – In der Nähe ihres Vorwerks siedelten sich dann aber Bauern aus der Umgebung an; die Steine der demolierten Befestigungen konnten sie gut für die Fundamente ihrer Häuser verwenden. So entstand „Hachmohlen up der nigen Statt“, das spätere Neustadt.

Bald nach 1540 wurden unsere Dörfer zusammen mit dem gesamten Landstrich evangelisch; der Geistliche Johannes Brandes, der damals als Priester in Hachmühlen amtierte, setzte seine Tätigkeit nach Einführung der Reformation als erster lutherischer Pastor des Kirchspiels fort. In der Folgezeit (1588) erfahren wir auch vom Bestehen einer Schule in Hachmühlen; den Unterricht erteilte damals der dortige Küster, der auch für die Kinder aus Neustadt verantwortlich war. (Für Brullsen ist das Bestehen einer Schule dagegen erst im Jahre 1656 belegt, und zwar durch die Existenz einer alten Schulglocke, die diese Jahreszahl trägt.)

Im 17. Jahrhundert hatten die Orte wiederholt und schwer unter den Heereszügen und Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Vor allem bei dem Einfall der Tillyschen Truppen im Juli 1625 entstanden schwere Schäden; auch die St.-Martins-Kirche mit ihrer gesamten Ausstattung und drei bronzenen Glocken wurde ein Opfer der Flammen. Sogar einige Monate nach Abschluß des Friedens von Goslar (Januar 1642), der an sich das Ausscheiden unserer Heimat aus dem Krieg bewirken sollte, wurde der größte Teil von Brullsen durch französische Soldaten vernichtet; und über Neustadt fielen noch im November 1647, also kurz vor dem Westfälischen Frieden, schwedische Soldaten unter General Wrangel her.

In der Folgezeit wechselten gute und schlechte Zeiten: Phasen erfreulicher landwirtschaftlicher Konjunktur wurden durch stark belastende Kriegszeiten unterbrochen. Vor allem der Siebenjährige Krieg (1756–1763) und die Franzosenzeit (1801–1813) brachten durch hohe Kontributionen und Truppendurchzüge den Einwohnern große Einbußen.

St.-Martins-Kirche
St.-Martins-Kirche

Erst im 19. Jahrhundert machten Hachmühlen, Neustadt und Brullsen langanhaltend spürbare Fortschritte. Im Kirchort entstanden ein neues, ansehnliches Pfarrhaus (1822, heute Hachmühler Straße 5), ein behaglich gestaltetes Pfarrwitwenhaus (1830–32, abgebrochen 1967) sowie ein neues, großes Kirchenschiff (1840–42). Die Gemeinde Brullsen konnte als Ersatz für einen baufällig gewordenen Vorgängerbau ein neues Schulhaus errichten lassen (1864/65, heute Oberdorf 13). Auch in Hachmühlen kam es 1903/04 zum Bau einer neuen Schule am westlichen Ortsausgang. Das heute noch vorhandene stattliche Backsteingebäude wies zwei große Klassenzimmer und zwei ebenfalls sehr geräumige Lehrerwohnungen auf.

In der Folgezeit verloren die drei Orte ihren ausschließlich agrarischen Charakter. Der Bau der Eisenbahn Hannover–Hameln im Jahre 1872 hatte vor allem Hachmühlen, aber auch die beiden Nachbarorte der „großen Welt“ nähergebracht. Neben den Höfen entstanden kleinere Gewerbebetriebe, hauptsächlich Werkstätten der Holzverarbeitung. Bei steigender Bevölkerungszahl ging eine zunehmende Zahl von Einwohnern als Pendler auswärts ihrer Arbeit nach. Auch im Baugeschehen zeigten sich Veränderungen; die „massive“ Bauweise löste allmählich das Fachwerk ab. Der zunehmende Fahrzeugverkehr auf den Durchgangsstraßen wurde von einem Nutzen mehr und mehr zu einer Last. – Noch in vieler anderer Hinsicht führte das letzte Jahrhundert zu erheblichen Veränderungen. Sie auch nur ansatzweise zu schildern, würde aber den Rahmen dieses kleinen Beitrags sprengen.