Von Heimatminister, Google und Klinikalltag

Von Gerhard Honig

Kabarettabend mit den Stadthäger „Mischlingen“ im Gemeindehaus
Kabarettabend mit den Stadthäger „Mischlingen“ im Gemeindehaus

Alle kriegen ihr Fett weg im aktuellen Programm der „Mischlinge“ um Renate Junklewitz mit dem sehr zutreffenden Titel „Alle packen an – wir packen aus!“. Davon konnten sich die Besucher im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde überzeugen.

Und das ging Schlag auf Schlag: da rauschte die zehnköpfige Truppe auch schon herein in allerlei Verkleidungen, um nach Herzenslust die skurrilen Ansichten des neuen „Heimat- und Sicherheitsministers“ aufs Korn zu nehmen. Neugierige Nachbarinnen entlarven sich selbst bei der ja so „netten“ nachbarlichen Hilfeleistung durch Paketannahme für die „Kawuttke“, Google und Instagram treffen auf Brockhaus, dessen Nachschlagewerke deshalb nicht mehr „in“ sind, weil der erforderliche Platz für die Bücherwand beim steigenden Mietwucher in der Stadt viel zu teuer wäre. Blüten des Personalmangels im Krankenhaus: das Unfallopfer, eine junge Frau mit abgetrenntem Arm, muss sich durch die Warteschleife zappen und sich am Behandlungsautomaten selbst helfen, überschüssigen Urin der Einfachheit halber selbst trinken, weil so gesund: bittere und gleichermaßen aufrüttelnd auf die Spitze getriebene Satire des Klinikalltags, wie er hoffentlich nie eintreten wird. Die Lacher auf seiner Seite hatte bei aller versteckten Gemeinheiten der Bayer Bernhard Fritz, wie er als der grantelnde Seehofer sein Bayern als das Paradies sieht mit der geschlossenen Grenze, Obergrenze der Zuwanderung und totaler Überwachung der Bürger oder als kranker Opa, den seine pausenlos am Handy daddelnden Enkel besuchen und ihn nicht wirklich wahrnehmen, einfach köstlich! Dann die Szene auf dem Golfplatz, wo unverblümt Finanzgeschäfte laufen, um Altenpflegeeinrichtungen als reine Gewinnmaximierungsobjekte gekungelt wird. Fazit: die Pflege hat keine Lobby, Männer machen Geld, Frauen sind für die anderen Dinge da wie Sauberkeit, Pflege, Menschlichkeit, werden mit Hungerlöhnen ohne gescheite Tarife abgespeist. Die Stadthäger hatten auch die Me-too-Debatte thematisiert, welche in der lauthals geschrieenen Forderung gipfelte: Nein ist Nein!!

Die Mischlinge, das sind Funda Gür, Bernhard Fritz, Polina Neumann, die auch zeitweise begleitend das Piano spielt, Okan Cinek, Inga Mebus, Dorothea Sonntag, Aldona Berger, Monika Kauffeld, Christian Thiele und Joachim Schütz. Die Truppe übt einmal wöchentlich unter der Regie von Theaterpädagogin Renate Junklewitz im Kulturzentrum Alte Polizei in Stadthagen. Die Hachmühler und zahlreiche auswärtige Gäste entließen die Akteure mit dankbarem Applaus von diesem ihrem fünften Auftritt im Gemeindehaus.

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